Buchrezension,  Sachbuch/Ratgeber/Sonstiges

Buchempfehlung: »Schmerzenskinder« von Waris Dirie | Ein wertvolles Sachbuch über weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in Europa – aufklärend und aufwühlend

Anzeige

Kurzbeschreibung:

Genitalverstümmelung wird nicht nur in Afrika praktiziert, sondern auch hier vor unserer Haustür. Mindestens 500.000 Mädchen und Frauen in Europa sind davon betroffen, täglich kommen neue Opfer hinzu. Die Bestsellerautorin Waris Dirie, die im Alter von fünf Jahren die Qualen der Beschneidung erlebte, war die erste Frau, die öffentlich über diese schlimme Folter sprach. In diesem Buch deckt sie auf, wo und wie auch bei uns dieses grausame Ritual vollzogen wird. Sie erzählt von Begegnungen mit Opfern und Tätern mitten in Europa und von Rückschlägen und Erfolgen ihres Kampfes gegen die Genitalverstümmelung. „Schmerzenskinder“ ist in vieler Hinsicht ein erschütterndes Buch, doch es ist auch ein Buch voller Kraft und Hoffnung für Millionen Frauen in aller Welt.

© Bild-/Textquelle: Droemer Knaur

Autorin: Waris Dirie ǀ Verlag: Droemer Knaur (Knaur TB) ǀ Erscheinung: 1. Oktober 2015 ǀ Taschenbuch: 272 Seiten ǀ ISBN: 978-3-426-78771-7 ǀ Preis: 9,99 €

Was ich an Büchern schätze: Es gibt Bücher, die einen gut unterhalten und vom Alltag abschalten lassen. Und Bücher, die einem die unschöne Realität aufzeigen und Aufklärung leisten. Zum Glück gibt es Bücher! Und Menschen, die aufklären und Missstände anprangern. Aktuelles Beispiel: Die Autorin und Dolmetscherin Fadumo Korn, die sich u. a. über den mitbegründeten Verein NALA e.V. gegen die weibliche Genitalverstümmelung ausspricht. Der Leitsatz des Vereins: BILDUNG STATT BESCHNEIDUNG! Derzeit hat Fadumo Korn eine Petition auf der Onlineplattform change.org ins Leben gerufen. Das Ziel: Sie fordert mehr politische Aufklärung zum Thema FGM (Female Genital Mutilation) in Deutschland. Denn FGM wird nicht nur in Gebieten von z. B. Afrika, Kurdistan, Nordirak und Indonesien praktiziert, sondern ist durch die verstärkte Zuwanderung auch in Europa längst bittere Realität für Mädchen und Frauen aus den betroffenen Regionen geworden. Das muss aufhören!

Diese Tatsache offenbarte die Autorin Waris Dirie, die mit ihrer (inzwischen verfilmten) Autobiografie »Wüstenblume« in den 90er Jahren weltweit für Aufmerksamkeit sorgte, bereits in ihrem dritten Buch »Schmerzenskinder«. Das Buch erschien 2005 bei den Ullstein Buchverlagen und wurde 2015 vom Knaur Verlag neu aufgelegt. Die Erstveröffentlichung ist lange her, die in vielen Ländern gesetzlich verbotene Tradition ist es keineswegs. Das Buch verliert also kaum an Aktualität. Leider!

In »Schmerzenskinder« nimmt Waris Dirie die Leser mit auf Recherchereise. Sie trifft sich mit Frauen, die u. a. in Österreich, England, Frankreich und Deutschland leben, überwiegend afrikanische Wurzeln haben und der Menschenrechtsaktivistin von ihren tragischen Schicksalen erzählen. Waris Dirie holt sich zudem Rat von ÄrztInnen AnwältInnen und Frauenrechtsorganisationen ein. Die Erkenntnisse sind erschütternd! Von der mangelnden Strafverfolgung (mit Ausnahme Frankreich) bis hin zum unsensiblen Umgang unwissender Mediziner mit den traumatisierten Patientinnen, die oft im Kindesalter (ohne Narkose) verstümmelt wurden. Einige der in Europa aufgewachsenen Mädchen sogar in den Schulferien, während eines Heimatbesuchs mit den Eltern.

Wer den blutigen Übergriff überlebt hat, kämpft zumeist mit körperlichen und seelischen Schmerzen. Ein weiteres Problem: Viele Frauen fühlen sich alleine und ungeliebt, weil die eigenen Mütter und/oder Großmütter oft an der Genitalverstümmelung beteiligt gewesen sind. Denn in einigen Kulturen Afrikas gilt nur eine beschnittene Frau als rein und kann verheiratet werden. Überdies ist FGM in den Familien und den Gemeinden für gewöhnlich ein Tabuthema, über das geschwiegen wird.

Infolge ihrer Recherchen geht Waris Dirie auch kritisch auf Integrationsmissstände sowie Rassismus in Europa ein und schildert ihre unschönen Erfahrungen mit der (deutschen) Presse. Schonungslos, aber verständlich! Ein Buch, das aufwühlt und aufzeigt, wie wichtig die Aufklärung und Sensibilisierung für dieses verstörende wie komplexe Thema ist.



Weitere Bücher der Autorin:

Wüstenblume ǀ Nomadentocher ǀ Schwarze Frau, weißes Land

Briefe an meine Mutter ǀ Safa – Die Rettung der kleinen Wüstenblume

Transparente Information:
Die Buchbesprechung bezieht sich auf ein selbstgekauftes Buch und die Anzeige in der Produktinformation auf den Verlagslink, da dort das Buch zum Direktkauf angeboten wird. Ich selbst verdiene keinen Cent mit der Verlinkung. Überdies bilde ich mir stets meine eigene Meinung und tue diese auch unbeeinflusst kund.

© Buchrezension by www.filimure.de | Autorin: Doreen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.