Kolumne,  Musik,  Smalltalk

Ein nostalgischer Blick auf frühere Zeiten: Wenn Livekonzerte ausfallen, kann das digitale »Live«-Kopfhörerkonzert@home motivieren

Heute kommt mal ein musikalischer Beitrag von mir. Denn während der Coronamüdigkeit im anhaltenden Homeoffice-Alltag ist Musik ein echter Motivator für mich. In den vergangenen Monaten habe ich zwei Dinge dennoch besonders vermisst: Konzert-/Festivalbesuche ebenso wie die Kopfhörerparty in Hamburg. Ich habe festgestellt, dass sich zu Hause beides gut miteinander kombinieren lässt. Denn Online finden sich inzwischen viele hörenswerte Konzerte, die zum Verweilen und Tanzen einladen – insbesondere mit Kopfhörern auf den Ohren (und einer Unterlage auf dem Boden), um die Nachbarn nicht zu belästigen.

Folgend stelle ich meine Favoriten für eine »Live«-Kopfhörerparty in den eigenen vier Wänden vor. Das Wort Party sollte an dieser Stelle natürlich nicht wortwörtlich genommen werden. Gemeint ist nämlich ein privates Onlinekonzert, das man sich dieser Tage alleine oder mit der Familie/den MitbewohnerInnen anschauen kann. Das ersetzt natürlich nicht das Gefühl eines echten Livekonzertes, ist für mich aber momentan eine gute Alternative, um die Zeit zu überbrücken. Bei den hier vorgestellten Künstlern war ich übrigens tatsächlich schon auf einem Festival-/Clubkonzert (Live und in Farbe) zugegen. Es könnte also nostalgisch werden!

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»Leise« feiern auf einer Kopfhörerparty – sieht komisch aus, macht aber Spaß!


Du warst noch nie auf einer Kopfhörerparty und weißt nicht so recht, was du dir darunter vorstellen sollst? Meine erste Silent Disco Erfahrung liegt schon einige Jahre zurück und ereignete sich spontan auf einem Kreuzfahrtschiff mit buntem Abendprogramm. Zuvor hatte ich diese etwas seltsame Art des Feierns schon in dem einen oder anderen Film wahrgenommen. Ich bin allerdings nie selbst auf die Idee gekommen, mal in die Silent Disco zu gehen. Der Grund: Clubnächte sind eigentlich nicht (mehr) mein Ding.

Die Hamburger Morgenpost war zu Gast bei einer Heartphones Kopfhörerparty im Molotow und erklärt wie Silent Disco funktioniert

Dennoch bin ich nach meiner ersten Silent Disco ein Fan der Heartphones Kopfhörerparty in Hamburg geworden, die in diversen Hamburger Locations (u. a. im Knust, Molotow und Bucerius Kunst Forum) veranstanstaltet wird. Hinter Heartphones steckt eine kleine Gruppe von DJs (und eine DJane), die ihr Hobby nicht zum Hauptberuf gemacht hat, Fans der Silent Disco aber regelmäßig mit viel Herzblut und Spaß zu einer doch besonderen Cluberfahrung einlädt. Zumindest vor Corona! Aktuell legt die Heartphones-Crew gelegentlich im Streamingformat auf, um Musikbegeisterte im eigenen Wohnzimmer aufzuheitern. News zu neuen Terminen werden auf der Homepage gepostet und auf Spotify kann man noch die imaginäre Silvesterparty-Playlist 2020/21 streamen.

Ein Gewinn der Kopfhörerparty ist definitiv die breite Musikauswahl. Während man in anderen Clubs oft dem Geschmack eines DJs ausgesetzt ist und nach einer endlosen Schlagersause (sorry, weniger meins!) vielleicht frustriert den Heimweg antritt, kann man in der Silent Disco einfach und keineswegs heimlich den Kanal auf dem Funkkopfhörer wechseln. Bei der Heartphones Kopfhörerparty wird zumeist Indie (Kanal 1), Pop, Hip Hop, Soul, Oldies, Elektropop (Kanal 2) sowie Musik aus den 80er und 90er Jahren (Kanal 3) gespielt. Genial: Auf dem Kopfhörer hat jeder Kanal seine eigene Leuchtfarbe – meistens sind es Blau, Grün und Rot. So sieht man, was Freunde und andere Partygäste gerade begeistert hören und vielleicht sogar mitsingen. Das macht neugierig und gute Laune!


Elderbrook – Live from the London Aquarium


Ich bin ein Fan von Elderbrook, seit ich den britischen Sänger/Multi-Instrumentalisten zum ersten Mal beim Hurricane Festival 2019 in Scheeßel gehört und gesehen habe – ich berichtete kurz im ersten Smalltalk. Für mich ist und bleibt seine einstündige One-Man-Show ein überraschendes Festival-Highlight. Für elektronischen Musiknachschub sorgte der Künstler im September 2020 auf seinem YouTube-Kanal. Da ein Konzert vor Publikum unmöglich war (Corona lässt grüßen!), gab Elderbrook anlässlich seines Debütalbums »Why Do We Shake In The Cold?« ein digitales Live-Konzert via YouTube, das man sich weiterhin anschauen kann.

Elderbrook – Live aus dem London Auquarium (Streaming: YouTube-Kanal Elderbrook)

Das Besondere: Elderbrook performt alte und neue Songs im London Aquarium. Der Sänger selbst scheint von der ungewöhnlichen Konzertkullisse beeindruckt zu sein und knipst in den ersten Minuten sogleich ein Foto mit seinem Handy. Als BeobachterIn weiß man manchmal selbst nicht so genau, worauf man das Augenmerk richten soll. Denn während der Lockenkopf im Vordergrund zu eingängigen Songs wie Sleepwalking die Hüfte schwingt, sind im Hintergrund eifrige Taucher damit beschäftigt, umgeben von zahlreichen Fischen, die Vinyl-Platte des Debütalbums in Szene zu setzen. Zwischendurch gibt es noch den einen oder anderen Mini-Rundgang durch das Aquarium. Beim nächsten Londonbesuch weiß ich nun, wo ich unbedingt hingehen möchte.

Also ich bin begeistert! Neben aktuellen Songs wie Numb, I’m A Fool, Take A Minute sowie Set Fire To My Gun kommen bekannte Songs wie Talking, Old Friend, Something About You und Cola nicht zu kurz. Das ansonsten chillig performte Why Do We Shake In The Cold? zündet ab Minute 48:00 dann ein rythmisches Beatfeuerwerk, bei dem selbst gemütliche Couchpotatos Lust auf eine kleine Tanzeinlage durch die Wohnung bekommen dürften – spätestens. Von der sporadisch eingeblendeten Werbeunterbrechung sollte man sich während des einstündigen YouTube-Videos überdies nicht abschrecken lassen. Zeit für ein erfrischendes Getränk!


Goo Goo Dolls – Live From Home ǀ Live and Intimate Session


»The Goo Goo Dolls? Nie von denen gehört!« Diese Reaktion bekam ich von FreundInnen und KollegInnen, als ich vor circa drei Jahren auf ein Konzert der US-amerikanischen Alternative Rockband aus Buffalo/New York gehen wollte. Hierzulande dürfte der Song Iris aus dem Filmdrama »Stadt der Engel« (1998) mit Nicolas Cage und Meg Ryan in den Hauptrollen am bekanntesten sein. Da ich eine Zeit lang das »Greatest Hits«-Album der Band rauf und runter gehört habe und der Song Slide dauerhaft als mein Aufwecklied am Morgen fungierte, war für mich klar: Sollten die Goo Goo Dolls jemals nach Hamburg kommen, dann bin ich dabei!

Goo Goo Dolls – Live from Home / #TogetherAtHome (Streaming: YouTube-Kanal Goo Goo Dolls)

Ich habe natürlich nie wirklich daran geglaubt, die Band je auf einem Livekonzert in Deutschland spielen zu sehen. Ich dachte nämlich, dass dieser Zug längst abgefahren sei. Im Sommer 2018 war es aber tatsächlich soweit und die 1986 gegründete Rockband gastierte im Gruenspan in Hamburg. Mein Konzert-Highlight überhaupt! Und dass, obwohl es im Gruenspan wie in einer Sauna zuging – bei über 30 Grad im Sommer waren nicht nur die Haare nass. Da gaben meine Schwester und ich irgendwann freiwillig den guten Stehplatz auf, um an der Bar massig Wasser zu ordern. So erlebten wir Iris leider nur in einem Nebenraum ohne Blickmöglichkeit zur Bühne. Laut, begeistert und schief mitgesungen haben wir trotzdem. Gesundheit geht einfach vor!

Im vergangenen Jahr präsentierte sich die Band um John Rzeznik (Sänger/Gitarrist) und Robby Takac (Bass/Gesang) Live from Home auf dem eigenen YouTube-Kanal und begeistert dort weiterhin mit Greatet Hits wie Slide, So Alive und Name. Natürlich sind auch Stücke aus dem aktuellen Album »Miracle Pill« (2019) wie Indestructible, Life’s A Message ebenso wie Miracle Pill mit dabei. Den Song Fearless performen die erfahrenen Rocker indes unter dem Motto #TogetherAtHome – a virtual no-contact concert​ that aims to encourage everyone to take action and help stop the spread of COVID-19. An der Aktion One World: Together At Home, ins Leben gerufen durch die globale Kampagnenorganisation Global Citizen in Kooperation mit Lady Gaga, beteiligten sich überdies viele weitere Künstler wie OneRepublic, Chris Martin, Bastille, Carla Morrison und Meghan Trainor. Mit sieben Songs, die getrennt hintereinander abzuspielen sind, ist das virtuelle Konzert der Goo Goo Dolls leider schnell beendet, dafür aber ein echter Hörgenuss.

The Goo Goo Dolls performen den Song Iris in der Live and Intimate Session, 2006 (Streaming: YouTube-Kanal Goo Goo Dolls)

Einen weiteren akustischen Ohrenwärmer bietet die elfteilige Live and Intimate Session der Goo Goo Dolls, die ebenfalls auf dem YouTube-Kanal der Band veröffentlicht wurde. Die intime Livesession ist Bestandteil einer Sonderausgabe des Albums »Let Love In« (CD/DVD), die im Frühjahr 2007 erschienen ist. Derzeit ist leider nur die Audioversion (ohne DVD) zu »Let Love In« erhältlich. Die Session wurde im März 2006 in den Capitol Studios in Californien aufgenommen (Quelle: www.googoofans.com) und beinhaltet ursprünglich vierzehn Songs in harmonischer Begleitung eines Streichorchesters. Mit dabei sind u. a. die Songs Broadway, Better Days, Stay with You, Black Balloon, Here is Gone und natürlich Iris. Auch in diesem Fall wurden die Songs von der Band einzeln hochgeladen. Die komplette Session (elf Songs) kann man sich hier auf YouTube direkt hintereinander anhören. Viel Spaß!


The Current präsentiert CHVRCHES – Live im Palace Theatre in St. Paul, Minnesota


Zum Schluss folgt noch ein Streaming-Tipp mit Frauenpower und mehr Livekonzert-Feeling, inklusive Jubel und Applaus aus dem Publikum. Die schottische Electro-Synthie-Pop-Band Chvrches ist der Hauptgrund, warum meine Schwester und ich im Sommer 2018 erstmals das Hurricane Festival nahe Hamburg besucht haben. Auf dem Programm stand nämlich das Trio um Sängerin Lauren Mayberry mit den Bandkollegen Iain Cook und Martin Doherty an Keyboard, Synthesizer, Sampler, Gitarre und Bass. Das circa 45-minütige Festivalkonzert war mit Songs aus dem im Mai 2018 vermarkteten dritten Studioalbum »Love is Dead« sowie bekannten Lieblingsstücken wie Leave A Trace und Clearest Blue zwar schnell vorbei, hat uns aber richtig Spaß gemacht.

CHVRCHES in concert at the Palace Theatre in St. Paul, Minnesota (presented by The Current)

Die Band aus Glasgow (ausgesprochen: Churches) sprach sich in der Vergangenheit stets offen gegen den Brexit aus und präsentiert sich Live sehr publikumsnah – bevorzugt mit Smalltalk zwischen der lebhaften Bühnenperformance von Frontfrau Lauren Mayberry, die von Kopf bis Fuß rockt. Passenderweise hat sich die Band seit der »Love is Dead«-Tour einen Live-Drummer mit an Bord geholt.

Im Oktober 2018 trat Chvrches im Palace Theatre in Saint Paul, Minnesota auf. Das Konzert zur »Love is Dead«-Tour wurde von dem Radiosender The Current 89,3 via YouTube-Livestream übertragen und kann über das Videoportal weiterhin abgerufen werden. The Current gehört zu dem regionalen Funknetz des Minnesota Public Radio (MPR) im US-Bundesstaat Minnesota und hatte Chvrches bereits des Öfteren zu Gast im Studio. Das Motto des Radiosenders lautet auf der Homepage übrigens: Great music lives here. Also in Bezug auf Chvrches kann ich dem schon mal zustimmen! Das Konzert geht circa neunzig Minuten und enthält einen stimmigen Songmix aus dem »Love is Dead«-Album (u. a. Micacle, Forever, Graffiti, Never Say Die) sowie den früheren Alben »The Bones Of What You Believe« (u. a. Gun, The Mother We Share, Recover) und »Every Open Eye« (u. a. Bury It, Leave A Trace, Clearest Blue). Also die Liebe zur Musik stirbt hier definitiv nicht! Meine Lieblingsstücke kommen dann auch zum Ende hin. So mag ich das!


Transparente Information:
Dieser Beitrag ist ohne jedwede Kooperation entstanden. Im Text sind u. a. Verlinkungen zu den Websites der Künstler sowie YouTube enthalten – rein zur näheren und schnelleren Information.

© Beitragsbild + Blogbeitrag by www.filimure.de / Autorin: Doreen

3 Comments

  • Nicole

    Kopfhörerparties kannte ich tatsächlich noch gar nicht, was aber auch daran liegt, dass es das bei uns gar nicht gibt. Ist halt der Nachteil, wenn man auf dem Land lebt. Aber: Ich würde mich echt wünschen, dass jemand das Konzept auch bei uns anbietet, denn die Idee dahinter gefällt mir auf anhieb, vor allem das mit dem Wechseln der Sender. Ich musste so schmunzeln bei der Stelle, wenn die DJs dann in Dauerschleife Songs spielen, die man selbst nicht mag und man dann nach Hause geht. Ist uns, also meinen Freunden und mir, tatsächlich schon passiert, bei der 90er Party. Die haben wir eine Zeit lang als Clique regelmäßig besucht, bis wir dann festgestellt haben, dass die Songauswahl immer die gleiche ist. Man beschränkt sich halt, auf die klassischen Charterfolge der Zeit, obwohl es da noch wesentlich mehr gibt. Schade, weil es halt dann irgendwann eintönig wird. Da würde ich mir doch wünschen, dass man selbst den Sender wechseln könnte :D. Wusste gar nicht dass es so viele Konzerte zum Anhören für Zuhause gibt, Amazon Prime hat da ja auch ein paar anzubieten, mein Dad hört da immer einige ganz gerne, aber da braucht man natürlich wieder ein Abo. Youtube ist dann natürlich für viele die bessere Wahl.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Doreen,
    ich habe auch eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich vor dem Studium absolviert, glaube das erwähne ich hier nie wirklich, habe ja mein Abi über den zweiten Bildungsweg nachgeholt und auch da mal überlegt, ob ich nicht mal darüber einen Beitrag mache. Ja die Aktualität ist auch tatsächlich einer der Hauptgründe, wieso es dann dieses Thema wurde, bin mal gespannt was meine Analyse dann so ergeben wird.

    Bin schon gespannt, wie dir „Offical Secrets“ gefällt oder eben nicht gefällt :D. Aber ja: Für mich war auch genügend spannung vorhanden, weil ich den Ausgang nicht kannte, hatte da zuvor auch von einer Google Recherche abgesehen und die erst danach durchgeführt.

    Ich glaube „Basar das Schicksals“ wäre halt perfekt geworden, wenn man sich dann nicht auf reines Melodrama konzentriert hätte. Mir etwas mehr Bezügen zur Realität und weniger vorhersehbaren Wendungen, hätte die Serie bei mir wohl auch über die erste Folge hinaus einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Potenzial wurde hier eben nicht komplett ausgeschöpft.

  • Nummer Neun

    Oh, Iris 🙂 Was war das für ein schöner Song – also ist er natürlich immer noch!

    Auf einer Kopfhörerparty war ich noch nie. Ich stelle es mir etwas schräg vor, aber das, was du schreibst, klingt sehr spaßig!

    • Doreen

      Ja, Iris kann ich heute auch immer noch in Dauerschleife hören.

      Ich kann die Kopfhörerparty nur empfehlen. Ich fand es früher auch eher befremdlich. Aber mittendrin macht es wirklich Spaß. Bisher haben sich auch die Skeptiker im Freundeskreis überzeugen lassen, wenn sie mitgeschleppt wurden. 🙂

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