Buchrezension,  Roman

Buchrezension zu »Nathalie küsst« von David Foenkinos ǀ Ein Roman, der wirkt wie von der Muse geküsst – witzig, dramatisch und voller Gefühl

Anzeige

Kurzbeschreibung:

Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann…

© Bild-/Textquelle: C. H. Beck Verlag

Erscheinung: 08.03.2012 ǀ Autor: David Foenkinos ǀ Originaltitel: La Délicatesse ǀ Übersetzung: Christian Kolb ǀ Klappenbroschur: 239 Seiten ǀ ISBN: 978-3-406-63547-2 ǀ Preis: 16,95 €

Es ist schon erstaunlich, was für unterschiedliche Gefühle man durchleben kann, wenn man beginnt, ein Buch zu lesen. Nisteten sich auf den ersten Seiten noch leichte Bedenken in meine Gedanken ein, war ich letztendlich vollkommen fasziniert von dieser außergewöhnlichen (Dreiecks-)Lovestory um Nathalie und François/Markus. Entsprechend war es endlich mal wieder eine Wohltat, einen schönen Roman ohne Phantastikelemente zu lesen, der mit so viel Hingabe, Wortgewandtheit und der Schönheit auf den zweiten Blick aufwartet, dass ich das komplette Buch binnen weniger Stunden unersättlich verschlungen habe.

Der preisgekrönte französische Schriftsteller und Drehbuchautor David Foenkinos hat eine wundervolle Art sich auszudrücken und seine Charaktere authentisch (fernab jeglicher Oberflächlichkeit) zu zeichnen – stückchenweise erfährt man etwas über die Vergangenheit, Ängste und Träume einzelner Figuren. Mit passenden Vergleichen und Methapern zieht Foenkinos den Leser langsam in eine Achterbahn der aufwirbelnden Gefühle und erzählt eine bzw. zwei Liebesgeschichten von denen zumindest eine das Herz erwärmt.

Dabei könnte man sich zunächst etwas schwer tun. Foenkinos bedient sich nämlich des allwissenden Erzählers, der es ihm gestattet, während eines Kapitels (die ziemlich kurz gehalten sind) in die Gedanken mehrerer Protagonisten zu schlüpfen – der Autor ist stets präsent. Dadurch erfährt man zwar was einzelne Personen bewegt, gleichzeitig wirkt diese Art des Erzählens oftmals etwas befremdlich … besonders wenn einige Nebenfiguren etwas näher beleuchtet werden, die für den Rest der Handlung jedoch nicht wirklich von Bedeutung erscheinen. Hinzu kommt eine mitunter gehobene/wortgewandte Schreibkunst, die nicht jedermann begeistern dürfte, ist „Nathalie küsst“ doch gespickt mit allerhand Fremdwörtern, Fußnoten und Erläuterungen (wen interessiert es schon, wer jemals die Puzzle Weltmeisterschaften in Minsk gewonnen hat?). Wirkt so manche Randbemerkung mitunter nebensächlich/unwichtig, ergibt zum Ende hin dann doch (fast) alles irgendwie einen tieferen Sinn.

So kam es, dass ich anfangs leichte Schwierigkeiten hatte, mich mit Nathalie und François anzufreunden. Man erfährt in der Schnellspultaste wie sie zueinanderfinden, eine mehr als perfekte Beziehung führen und plötzlich ein dramatischer Schicksalsschlag alles durcheinander wirbelt. Von nun an wird es aber richtig interessant, denn die schöne Nathalie muss sich aus dem melancholischen Sumpf der Trauer herauskämpfen, sich den jahrelangen Avancen ihres Chefs stellen und ganz spontan lernt sie die Lippen eines weniger attraktiven Kollegen näher kennen … dessen Leben daraufhin ganz schön aus den Fugen gerät. Das Gefühlschaos ist perfekt!

An sich mag das Grundgerüst nicht sonderlich aufregend erscheinen, doch schlussendlich begeistert die Art und Weise wie Foenkinos die Geschichte erzählt, einzelne Charaktere reifen lässt und sich an der Alltäglichkeit des Lebens orientiert. So muss Nathalie sich nicht nur für ihre vorübergehend frei gewählte Einsamkeit rechtfertigen oder sich mit der brodelnden Gerüchteküche eines Großkonzerns auseinandersetzen. Immer wieder steht die Frage im Raum, was vom Leben erwartet wird und wie man mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgeht und langsam wieder ganz bewusst beginnt, im Hier und Jetzt zu leben. Man könnte also sagen, dass „Nathalie küsst“ zum Nachdenken anregt und weit mehr ist, als eine seichte Liebesgeschichte, die ganz nebenbei noch eine ganz eigene Art des Humors versprüht, ohne unglaubwürdig oder überzogen zu wirken. So macht lesen Spaß! Ebenfalls empfehlenswert: Der gleichnamige Film, der im Jahr 2011 mit Audrey Tautou in der Hauptrolle in den Kinos anlief – unter der Regie von David Foenkinos.


Fazit


Ein Roman, der wirkt wie von der Muse geküsst! Wen man sich auf diese etwas andere Dreiecks-Liebesgeschichte einlässt, kann man zauberhafte Lesestunden erleben, die das Herz berühren und zum Schmunzeln einladen – witzig, dramatisch und voller Gefühl zeigt sich „Nathalie küsst“ … unterstrichen mittels lebendiger Wortkreationen und authentischer Charaktere. Für Liebhaber von außergewöhnlichen Lovestorys 100% empfehlenswert!


Transparente Information: Hierbei handelt es sich um eine von mir bereits im März 2012 veröffentlichte und akutell überarbeitete Rezension sowie ein von mir selbstgekauftes Buch. Die ANZEIGE in der Produktinformation bezieht sich auf den Verlagslink, da dort das Buch zum Direktkauf angeboten wird. Ich selbst verdiene keinen Cent mit der Verlinkung. Überdies bilde ich mir stets meine eigene Meinung und tue diese auch unbeeinflusst kund.

© Buchrezension by www.filimure.de / Autorin: Doreen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.