Buchrezension,  Roman

Buchrezension zu »Nachricht von dir« von Guillaume Musso ǀ Ein zugleich faszinierender wie unglaubwürdiger Romantik-Thriller.

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Kurzbeschreibung:

Als Madeline und Jonathan am Flughafen zusammenstoßen, denken sie nicht im Traum an ein Wiedersehen. Doch zuhause angekommen stellen sie fest, dass sie ihre Handys vertauscht haben. Sie beginnen, das Telefon des anderen zu durchstöbern, und entdecken, dass ihre Leben schon seit langem miteinander verknüpft sind – genau wie tiefe Wunden aus der Vergangenheit, die sie nun mit aller Macht einholen …

© Bild-/Textquelle: Piper Verlag

Erscheinung: 12. März 2012 ǀ Autor: Guillaume Musso ǀ Übersetzung: Eliane Hagedorn und Bettina Runge ǀ Verlag: Piper ǀ Taschenbuch: circa 480 Seiten ǀ ISBN: 978-3866123137 ǀ Preis: 11,00 €

»Nachricht von dir« gehört zu jener Sorte von Büchern, deren Inhalt ich nach dem Lesen nur schwer in Worte fassen kann. Einerseits hat mich Mussos Art des Schreibens fasziniert und ich klebte vor lauter Spannung an den Seiten fest. Andererseits ließ meine Begeisterung mit zunehmender Seitenzahl nach, denn des Schicksals Zufälle wirkten mir im Fall von Madeline und Jonathan mitunter wie ein spontan eingeleiteter Blitz aus Thors Hammer – notwendig und teilweise unglaublich. Was wie eine bissige Lovestory beginnt, mausert sich nämlich bald zu einem Thriller mit vielschichtigen Charakteren und überraschenden Fügungen. Für mich nicht ausschließlich zum Vorteil.

Der Bestsellerautor Guillaume Musso ist in Frankreich kein unbeschriebenes Blatt und auch Hierzulande wissen seine Werke zu begeistern. Kaum mit der ersten Seite begonnen, merkt man: dieser Mann kann einfühlsam schreiben und eine spannende Geschichte erzählen. Man nehme einen Flughafen, zwei vom Leben gebeutelte Persönlichkeiten mit optisch identischen Handy’s als ständigen Begleiter und einen zufälligen Zusammenstoß … fertig ist die Eintrittskarte für ein französisch/amerikanisches Abenteuer der modernen Art – allerhand tödliche wie tief vergrabene Geheimnisse inklusive. Musso versteht es unterdessen, aus einer scheinbar beiläufigen Situation ein großes Ganzes zu schaffen und zeitgemäße Kommunikationsmittel wie Klischees einzubauen. Alleine der Prolog lässt die Mundwinkel zucken und zielt genau ins Schwarze. Manch ein Handybesitzer dürfte sich in den treffenden Worten wiedererkennen.

Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen Blumenhändlerin Madeline und Restaurantbesitzer Jonathan. Zwei Menschen, die jeweils ein dickes Päckchen tragischer Leidensgeschichte unter ihrem Herzen tragen und versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen. Bis sie sich zufällig begegnen und dieses scharfzüngige Aufeinandertreffen beide auf eine ungewöhnliche Weise wieder zusammenführt. Für einen höheren Zweck, wie sich bald zeigen wird. Ergo taucht man langsam ein in eine Welt aus obsessiver Neugierde und dunkler Vergangenheit. Zu aufregend ist ein kurzer Blick in das Smartphone des anderen. Zu bedeutend die kleinen Anzeichen, die eine packende Lebensgeschichte hinter einer oberflächlichen Persönlichkeit versprechen. Wer kann da schon wiederstehen?

Glaubt man es eingangs mit einer zarten Lovestory á la „E-Mail für“ Dich zu tun zu haben, wird es bald aufregend. Hinter dem betrogenen Küchenchef und der schlagfertigen Floristin steckt weit mehr, als es zunächst den Anschein hat. Bevor jedoch die Geheimnisse gelüftet und sich verliebte Blicke zugeworfen werden, lässt Musso seine Charaktere reifen und zu sich selbst finden – sporadische Handynachrichten und das allwissende World Wide Web führen schließlich zum ersehnten Ziel. Anhand des auktorialen Erzählers in der dritten Person und wechselnder Perspektiven, fühlt man sich bald wie in einem actionlastigen Film, der allmählich an Fahrt aufnimmt. Mal schaut man in Paris bei Madeline vorbei, mal bei Jonathan in San Francisco … und später in ganz andere Gedanken. Passende Zitate von namenhaften Autoren/Persönlichkeiten (Emily Dickinson, Carlos Ruiz Zafon etc.) sorgen zu Anfang jeden Kapitels für die nötige Neugierde.

Das alles bietet einen fesselnden Plot, würde Musso sich nicht zu stark auf das Schicksal verlassen und es zum Ende hin ein wenig übertreiben. Mit zunehmender Seitenzahl verändern sich Jonathan und Madeline in ihre alten ICHs zurück und geben ordentlich Gas. Das ist spannend, erscheint aber gleichzeitig unrealistisch. Auf mich wirkte die Story irgendwann überzogen und die charakterliche Sympathie blieb auf der Strecke. Während Madeline ihren Verlobten betrügt, lässt Jonathan für seine detektivische Mission seinen kleinen Sohn Charly im Stich, den er über die Weihnachtsferien zu Besuch hat. Hinzu kommen mehrere Zufälle, die für mich das Fass bald zum Überlaufen brachten. In einigen Belangen kann man vielleicht noch auf die Schicksalstheorie und eine hohe Intelligenz beider Protagonisten bauen. Doch gerade im Schlussakt erschien mir die (Er-)Lösung dann an den Haaren herbeigezogen und die Charakterentwicklung zu gradlinig/gewollt. Zudem bleiben einige Fragen/Entwicklungen offen. Gut unterhalten fühlte ich mich trotzdem und deshalb kann ich nur raten: Selbst ausprobieren! Wer Thriller mit einem kleinen Schuss Romantik und bissigen Dialogen mag, dürfte hier für einige Stunden kurzweilige wie gute Unterhaltung finden.


Fazit


»Nachricht von dir« konnte mich zwar gut unterhalten, war aber nicht komplett nach meinem Geschmack. Zarte Lovestory mit interessanten Charakteren und einer einfallsreichen Idee trifft auf fesselnde Thriller-Elemente mit „zufälligen“ Auflösungen und schicksalhaften Begegnungen – faszinierend und unglaubwürdig zugleich. Ob das nun gute oder schlechte Nachrichten sind, muss man letztendlich wohl für sich selbst herausfinden.


Transparente Information: Hierbei handelt es sich um eine von mir bereits im Mai 2012 veröffentlichte und aktuell überarbeitete Rezension. Damals habe ich über das Amazon Vine Produktester Programm ein kostenloses Leseexemplar erhalten. Die ANZEIGE in der Produktinformation bezieht sich auf den Verlagslink, da dort das Buch zum Direktkauf angeboten wird. Ich selbst verdiene keinen Cent mit der Verlinkung. Überdies bilde ich mir stets meine eigene Meinung und tue diese auch unbeeinflusst kund.

© Buchrezension by www.filimure.de / Autorin: Doreen

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