Buchrezension,  Jugendroman

Buchrezension zu »Ich würde dich so gerne küssen« von Patrycja Spychalski ǀ Kein 08/15 Jugendroman, in dem die Liebe zur Musik in Berliner Großstadtatmosphäre zelebriert wird

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Kurzbeschreibung:

In der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag lernt die eigenwillige Frieda jemanden kennen, den sie einfach nicht vergessen kann: Jeffer, einen gut aussehenden, rebellischen Jungen und – wenn sie den warnenden Stimmen glauben soll – Herzensbrecher. Als ihre Eltern verreisen, schlägt Frieda all die wohlmeinenden, vernünftigen Ratschläge in den Wind und zieht kurzerhand bei Jeffer ein. Gemeinsam feiern sie, hören Musik, reden bis tief in die Nacht – nicht mehr. Beide spüren, dass sie etwas wirklich Besonderes verbindet, doch genau das macht ihnen Angst, zumal Frieda nicht versteht, was dieser ungewöhnliche Junge an ihr findet. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert …

© Bild-/Textquelle: cbt Verlag

Erscheinung: 13. Feb. 2012 ǀ Autorin: Patrycja Spychalski ǀ Verlag: Random House (cbt) ǀ Altersempfehlung: ab 13 Jahren ǀ Taschenbuch: 272 Seiten ǀ ISBN: 978-3-570-30780-9 ǀ Preis: 7,99 €

Ich sage es gleich, ganz gerade heraus und mit der frisch entdeckten Freiheit in meinem Herzen: dieses Buch ist vielleicht nicht perfekt. Die Charaktere waren widersprüchlicher als eine Nonne in einem Beate Uhse Shop und im Grunde genommen passiert nicht viel, außer kettenrauchenden Partys/Gesprächen in verschiedenen Locations von Berlin oder in der umfunktionierten Single WG. Dennoch schlug ich die letzte Seite mit einem zufriedenen Gefühl zu. Die Zauberworte lauten: grenzenlose Freiheit, die Liebe zur Musik und kitschfreie Zone! Dabei bin ich mir durchaus gewiss, dass Patrycja Spychalski mit ihrem Debütroman nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Meinen schon!

»Ich würde dich so gerne küssen« war komplett anders, als von mir erwartet und daran ist der Klappentext nicht ganz unschuldig. Alles was dort wiedergeben wird, stimmt. Jedoch nicht ganz! Abiturientin Frieda und Herzensbrecher Jeffer lernen sich in einem Club kennen, ziehen kurzerhand zusammen, machen die Nacht zum Tag, feiern, plaudern, trinken, rauchen … und genießen das Leben, als gebe es keine Verpflichtungen, kein Morgen, keine Sorgen. Dabei ist man stets im Ungewissen, was die beiden tatsächlich miteinander verbindet bzw. wo ihre platonische Beziehung letztendlich hinführen wird. Frieda und Jeffer wissen es nämlich selbst nicht. Das ist mitunter interessant. Man fiebert mit, will endlich den heißersehnten Kuss auf den Lippen spüren und nicht nur über die verzwickten Gefühle der beiden philosophieren, sondern sie hautnah miterleben. Wären wir also beim letzten Satz der Inhaltsbeschreibung: »Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert « … Nicht ganz! Jedenfalls spürt man es nicht sofort, denn die Ausgangssituation bleibt die Gleiche: verwirrte Gefühle und die Scheu, sich darüber in einem klärenden Gespräch bewusst zu werden. KEIN Kuss verändert alles, sondern eine bestimmte Situation! Dafür prickelt es für kurze Momente auf der Haut und die Unsicherheit fesselt solange, bis der letzte Satz endlich die alles entscheidende Frage beantwortet. Kriegen sie sich oder nicht?

Dabei spüre ich wieder diese Liebe zu Berlin in mir aufsteigen. Diese große Stadt, mit diesen vielen Möglichkeiten und mit diesen kleinen Fleckchen wie diesem, um vom Dreck und Lärm auszuruhen.

Zitat aus Seite 36 »Ich würde dich so gerne küssen« von Patrycja Spychalski

Meine Gefühle während des Lesens sind in etwa mit Friedas wechselnden Empfindungen für Jeffer vergleichbar. Manchmal wollte mich das Buch nicht mehr loslassen. Es überredete mich zu bleiben, meine Erwartungen hinten anzustellen, einfach zu genießen. Dann wiederum wollte ich ihm die Tür vor der Nase zuschlagen, protestieren, schreien und einfach davonlaufen. Umgekehrt schaut es nicht anders aus. Das Problem? Frieda und Jeffer selbst! Ich habe die beiden nie wirklich verstanden. Beide wissen nicht was sie wollen und doch zieht es sie zueinander hin. Indes Ich-Erzählerin Frieda in der einen Minute von sich selbst behauptet, sich unter Menschen unwohl zu fühlen und sich lieber im Hintergrund zu halten, geht sie nur kurz darauf offen auf andere Menschen zu, bringt einen kessen Spruch nach dem anderen, schwänzt die Schule und lässt sich von Jeffer mitreißen. Obwohl sie stets an ihm (+ sich selbst) zweifelt und oft genervt ist von seinem einnehmenden Umfeld. Zwar beschließt sie an ihrem siebzehnten Geburtstag, dass sie aus ihrem Schneckenhaus herauskriechen und ein Wagnis eingehen will. Gesagt, getan! Aber ist das authentisch? Reicht eine spontane Entscheidung aus, um das komplette Leben umzukrempeln? Das hängt wohl von jedem selbst ab.

Und Jeffer? Der ist wahrlich ein Buch mit sieben Siegeln und das (für mich) einzig wandelnde Klischee in diesem Buch. Er sieht sexy aus, ist unnahbar, spielt Gitarre und kann einfach jede Frau haben. Doch nur einer schenkt er sein (un)eingeschränktes Interesse. Dieser Typ ist so undurchsichtig wie ein Tresor, dessen Zahlenkombination man zu wissen glaubt. Verschlossen bleibt die Tür trotzdem … bis zum Schluss. Man erlangt minimale Einblicke in sein Seelenleben und Spychalski nimmt sich die Freiheit, ihn einfach so zu lassen, wie er ist. Beliebt zu sein kann schon verdammt anstrengend sein! Shit Happens! Jeffer ist eben Jeffer und das bleibt er bis zum offen-herzigen Ende. Die eigene Phantasie ist gefragt. Entweder man kommt damit klar oder eben nicht!

Ein guter Grund zu bleiben? Den gibt es, zumindest wenn man bereit ist, dem stinknormalen Weg eines 08/15 Jugendromans zu entgleiten und sich öffnet für die weniger romantische Problemthematik und die musikalischen Einflüsse, die Spychalski dem Leser bietet – in einem lockeren, einfachen und nachdenklichen Unterton. Belohnt wird man mit sympathischen wie teils unnahbaren Nebencharakteren, Clubtouren durch Berlin, einem kleinen Abstecher an die Ostsee und einer realitätsnahen Geschichte. Denn seien wir mal ehrlich! Im wahren Leben versteht man seine Mitmenschen auch nicht immer, verpasst die richtige Abfahrt, macht Blödsinn oder träumt davon, dem Alltag zu entfliehen. Manch einer tut es, manch einer halt nicht!


Fazit


„Ich würde dich so gerne küssen“ ist nicht das, was man auf den ersten Blick erwarten würde. Statt einer zarten Liebesromanze mit einem gewöhnlichen Happy-End-Herzschmerz-Gefühl entführt Patrycja Spychalski den Leser in ein realitätsnahes Verwirrspiel der Gefühle – widersprüchliche und undurchsichtige Charktere inklusive, ein gänzlich aufklärendes Ende exklusive. Was hier das Herz öffnet ist die Liebe zu rockigen Klängen und die Sehnsucht nach Freiheit. Nicht jeder wird Frieda und Jeffer lieben! Wer jedoch bereit ist, über ihre Fehler hinwegzusehen, kommt der Realität vielleicht ein kleines Stückchen näher. Eine Geschmacksfrage!


Transparente Information: Hierbei handelt es sich um eine von mir bereits im Febuar 2012 veröffentlichte und aktuell überarbeitete Rezension sowie ein von mir selbstgekauftes Buch. Die ANZEIGE in der Produktinformation bezieht sich auf den Verlagslink, da dort das Buch zum Direktkauf angeboten wird. Ich selbst verdiene keinen Cent mit der Verlinkung. Überdies bilde ich mir stets meine eigene Meinung und tue diese auch unbeeinflusst kund.

© Buchrezension by www.filimure.de / Autorin: Doreen

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