Buchrezension,  Jugendroman

Buchrezension zu »Fern wie Sommerwind« von Patrycja Spychalski ǀ Ein atmosphärischer Selbstfindungssommer, denn eine übersüßte Lovestory

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Kurzbeschreibung:

Ganz ehrlich! Noras größtes Problem ist, dass sie sich ihr Leben lieber vorstellt – in den verrücktesten Visionen ihrer Zukunft -, als es einfach zu leben. Doch jetzt kommen die letzten Ferien, der Sommer der großen Entscheidungen. Nora verbringt ihn an einem hübschen Badeort am Meer und jobbt als Drachenverkäuferin am Strand. Neben dem Kaffeemädchen und den Eisverkäufern ist da auch noch Popcornjunge Martin, mit dem schönen Lächeln und dem sonnengelben Haar. Als Martin sich immer wieder in Noras Tagträumereien verirrt, wird klar: Wenn es um ihn geht, sollte das Leben auf keinen Fall nur im Kopf stattfinden …

© Bild-/Textquelle: cbj Jugendbuch

Erscheinung: 13. Mai 2013 ǀ Autorin: Patrycja Spychalski ǀ Verlag: Random House ǀ Altersempfehlung: ab 13 Jahren ǀ ISBN: 978-3-641-09746-2 ǀ Preis: 6,99 € (eBook)

Es gibt Bücher, in die taucht man ein und fühlt sich wie im Urlaub. Günstiger gehts wohl kaum, kann man mal eine kurze, sommerlich erfrischende Auszeit gebrauchen. So geschehen bei Patrycja Spychalskis Jugendroman „Fern wie Sommerwind“. Für mich sowieso ein MUSS, nachdem mich ihr musikalisch unverkitscht schöner Debütroman Ich würde dich so gerne küssen ein Jahr zuvor gleichermaßen begeistern wie verwirren konnte. Nun hat mich also der ferne Sommerwind geküsst – auf eine vielleicht nicht perfekte, jedoch sanfte, zauberhafte und unvergessliche Weise.

Was mich bei »Fern wie Sommerwind« einem Tornado gleich gen Ende rasen ließ, war die malerische Atmosphäre des Buches sowie das träumende Gedankenspiel von Ich-Erzählerin Nora. Gemeinsam geht es an die Ostsee. Sonne, Strand und Meer warten auf den Leser, mit einer kleinen, aber süßen Liebesgeschichte im Fernglas erblickend. Da kommt Sommerfeeling auf, während sich der heiße Strandsand in die Fußsohlen brennt und die frische Meeresluft die Atemwege freilegt. Spychalski schafft binnen weniger Seiten ein spür-, fühl- und sichtbares Gedankenkino, sodass ich mich pudelwohl fühlte, obgleich manch Nebencharakter komplett betrachtet vielleicht etwas fern bleibt, wie der im Buchtitel erwähnte Sommerwind und sich manch Entwicklungen gewiss erahnen lassen.

Egal! In der Ist-Situation betrachtet, fühlte es sich an wie ein angenehm aufregender Sommer voller neuer Erfahrungen, in dem man vielleicht nicht unbedingt alles über seine neuen Freunde/Bekanntschaften erfährt, dennoch aber einfach die gemeinsamen Momente zu genießen weiß – selbst Popcornboy James, der eigentlich nur an seinem iPhone hängt, schloss ich rasch in mein Herz. Nicht zuletzt wegen einer mysteriösen App, die für einen überraschend mundwinkelzuckenden Nachtausflug sorgte. (M)ein Highlight! Neben den idyllisch schönen Nachmittagen mit der liebenswert offenherzigen Zimmervermieterin Irmi, die Nora zu reichlich Gehirnjogging antreibt.

Im Mittelpunkt steht eindeutig die siebzehnjährige Nora. Träumerin von Hobby und auf der Suche nach der eigenen Zukunft, dem „Wer will ich sein?“. Als Drachenverkäuferin verbringt sie die Sommerferien zum ersten Mal außerhalb des elterlichen Domizils und erlebt indes gemütliche Abende/Nachmittage am Lagerfeuer/der Stammpizzeria sowie schwitzige Arbeitstage mit den Kollegen vom mobilen Popcorn-, Eis- und Kaffeestand, die im Laufe des Sommers allmählich zu Freunden werden. Der Aufwind folgt dann gleich zu Beginn, was daran liegt, dass Spychalski ihre Protagonisten bereits miteinander bekannt gemacht hat und man somit gleich ein Teil von Noras Clique wird. Als Love Interest filtert sich schnell Martin heraus, der für Nora mit seiner ruhigen, herausfordernden und kreativen Art bald mehr wird als „nur“ ein Arbeitskollege/guter Freund.

Und genau an dieser Stelle beginnt es für Kopfzerbrecherin Nora kompliziert zu werden. Zwar wagt sie mit dem Ferienjob an der Ostssee einen mutigen Schritt in Richtung des Erwachsenwerdens, außerdem ist sie absolut nicht auf den Mund gefallen. Doch überwiegend handelt sie in ihrer Fantasie, während sie die Menschen um sich herum beobachtet und in manche von ihnen hineinversetzt. Dabei sieht sie sich in den Kursiv abgehobenen Traumpassagen selbst stets als „Nora“ und nicht als „Ich“. Sei es als alleinerziehende Mutter oder in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Bis sich langsam ein bestimmter Jemand in ihr Herz und in ihre Fantasien stiehlt. Eine Entscheidung muss her: den Sprung ins Ungewisse wagen oder sicher am trockenen Ufer weiterträumen?

Während die Antwort alsbald auf der Hand liegt, in der Praxis jedoch seine entwicklungsfördernde Zeit braucht, diese auch bekommt und schließlich in einer herzerwärmenden Auflösung mündet, wird man fesstellen, dass »Fern wie Sommerwind« mehr eine selbstfinderische, konfliktreiche und dennoch sommerlich leichte Geschichte über das „Wer bin ich/wer will ich sein“, denn eine übersüßte Lovestory erzählt. Eine Tatsache, die mir sehr gut gefallen hat!


Fazit


Ein sommerlich jugendlicher Selbstfindungstripp, der sich anfühlte wie ein selbsterlebter Urlaub an der Ostsee! Das Ziel eigentlich klar vor Augen, erlebt man gemeinsam mit Ich-Erzählerin Nora ein spür-, fühl- und sichtbares Gedankenkino umringt von Sonne, Strand und Meer. Mit einer kleinen, aber süßen Liebesgeschichte im Fernglas erblickend. Als der Zug am Ende Richtung Heimat einfuhr, wurde es für mich ein schöner, wenn auch wehmütiger Abschied von liebgewonnen Freunden, die man vielleicht nicht in- und auswendig kennt, dafür aber das gemeinsame Hier und Jetzt genoß, umgeben von bunten Flugdrachen, süßem Popcornduft, einer atmosphärischen Lagerfeuerstimmung und vielem mehr. Da überkommt mich glatt wieder ein sommerliches Fernweh!


Transparente Information: Hierbei handelt es sich um eine von mir bereits im Juni 2013 veröffentlichte und aktuell überarbeitete Rezension sowie ein von mir selbstgekauftes Buch. Die ANZEIGE in der Produktinformation bezieht sich auf den Verlagslink, da dort das Buch zum Direktkauf angeboten wird. Ich selbst verdiene keinen Cent mit der Verlinkung. Überdies bilde ich mir stets meine eigene Meinung und tue diese auch unbeeinflusst kund.

© Buchrezension by www.filimure.de / Autorin: Doreen

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