Buchrezension,  Roman

Buchrezension zu »Alice, wie Daniel sie sah« von Sarah Butler ǀ Ein Gefühlskarussell aus bunt gedachten Worten und weitschweifenden Gedankengängen

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Kurzbeschreibung:

Für den obdachlosen Daniel ist jeder Buchstabe mit einer Farbe verbunden. Seit Jahren streift er durch London und sammelt Papierschnitzel und andere achtlos weggeworfene Dinge in den Farben, die den Namen seiner Tochter bilden: Eisblau für A, Gold für L, Rosa für I, Dunkelblau für C, Grau für E – Alice. Daraus formt er kleine Kunstwerke, die er für sie in der Stadt verteilt. Daniel hat seine Tochter noch nie getroffen. Bis ihm der Zufall eines Tages ihre Adresse zuspielt.

© Bild-/Textquelle: Droemer Knaur

Erscheinung: 03.03.2014 ǀ Autorin: Sarah Butler ǀ Verlag: Droemer Knaur ǀ Originaltitel: Ten Things I’ve Learnt About Love ǀ Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence ǀ Paperback: 320 Seiten ǀ ISBN: 978-3-426-51409-2 ǀ Preis: 14,99 €

Auf diesen Roman habe ich mich vor einigen Jahren sehr gefreut! Gute Gründe: Das wunderschöne Buchcover, das einem auf Anhieb ein Gefühl von Freiheit vermittelt und die vielversprechende Inhaltsangabe, die ein kreativ ausgearbeitetes Vater-Tochter-Drama erahnen lässt. Dazu noch integriert in die Kulisse der sehenswerten englischen Hauptstadt London – wie man in der Danksagung später erfährt, eine Liebeserklärung an die achtjährige, damalige Wahlheimat der Autorin – versprach ich mir einen außergewöhnlichen wie innovativen Roman. Und tatsächlich! „Alice, wie Daniel sie sah“ lässt sich in keine Schublade pressen und besticht durch eine ausgefallene Grundidee, konnte mich in seiner Gänze aber leider nur bedingt mitreißen.

„Alice, wie Daniel sie sah“ ist für mich ein Roman, bei dem man gewiss zwei Dinge braucht: Geduld und die richtige Stimmung. Denn an sich bietet Sarah Butler mit ihrem Debütroman eine Geschichte, die einem durchaus zu Herzen gehen kann und bei der nicht automatisch das Gefühl aufkommt, man habe das Alles schon einmal gelesen. Mit einem detaillierten wie ausdrucksstarken Schreibstil philosophiert die Autorin über das Leben und die Fehler, die man im Laufe der Zeit gemacht hat und zu bereuen beginnt. Aber auch über das Nach-vorne-blicken und die kleinen Wunder, die man mit wenigen Mitteln, Worten und Gesten erschaffen kann. Hier gefiel mir anfangs besonders die Idee, dass Daniel jedem Buchstaben eine Farbe zuordnet. Ebenso wie er Namen mit einer bestimmten Farbe in Einklang bringt – auch, wenn ich mit dem Konzept nicht 100%ig etwas anfangen konnte und sich das Ganze in der Theorie irgendwie schöner anhörte, als es in der Umsetzung dann tatsächlich der Fall war. Das liegt einfach daran, dass die Autorin den Sinn/die Entstehung dahinter nicht wirklich erläutert. Klappt man den vorderen Buchdeckel der Klappenbroschur auf, bekommt man diesbezüglich aber noch einmal eine gute Buchstaben-Farben-Übersicht geboten.

Als Ich-Erzähler stehen zwei Menschen im Fokus, die einander fremd und doch so nah sind. Da ist zum einen Endzwanzigerin Alice, die nach einer langen Reise nach London zurückkehrt, um sich gemeinsam mit ihren ungleichen Schwestern von dem todkranken Vater zu verabschieden. Sofort merkt man, dass Alice sich seit dem frühen Tod der Mutter schon lange nicht mehr als ein Teil der Familie fühlt. Ihr Vater distanzierte sich allmählich von ihr und scheint etwas zu verbergen. Alice könnte man als das reiselustige, schwarze Schaf in der Familie bezeichnen. Trotz dessen sie viel in der Welt umherreist, scheint sie nie so wirklich anzukommen. Und auch in Sachen Liebe begehrt ihr Herz, was es nicht haben kann. Immer wieder drängen sich dann auch die Gedanken des obdachlosen Daniel in die Geschichte. Im Gegensatz zu Alice weiß Daniel um die Existenz seiner Tochter. Er stellt sich vor, was aus ihr geworden sein könnte und wie es wäre, sie einmal zu treffen. Schließlich findet er einen Weg, sich Alice auf eine besondere Weise mitzuteilen. Bis es jedoch soweit ist und die beiden sich begegnen, dauert es eine gefühlte Ewigkeit aus bunt gedachten Worten und weitschweifenden Gedankengängen, die sich wunderschön lesen, aber scheinbar endlos um die Geschichte kreisen, wie das berühmte Riesenrad von London, das munter seine Runden dreht.

Für mich wurde „Alice, wie Daniel sie sah“ somit leider schnell zu einer gefühlten Never-Ending-Story, sodass ich mich regelrecht zum Weiterlesen motivieren musste. Das lag nicht zuletzt an den einzelnen Charakteren, zu denen ich eine gewisse Distanz verspürte. Hier war vor allem Alice für mich nicht immer greifbar und es brauchte, bis ich mit ihrer teils ausweichenden und (für mich) unnahbaren Art einigermaßen warm wurde. Zudem fühlte ich mich durch den detaillierten und gelegentlich (Daniels Sicht) verträumten Schreibstil oftmals ausgebremst. Das Problem zeigte sich bereits zu Anfang jeden Kapitels, wenn jeweils zehn Fakten aufgezählt werden, die Daniel und Alice ausmachen (z. B. „Zehn Dinge, die ich meinem Vater sagen werde“ oder „Zehn Dinge, die deinen Namen buchstabieren“). Zwar verrät dieses einfallsreiche Intro einiges über die beiden Hauptprotagonisten, ihre Sehnsüchte, Abneigungen und Gedanken in Bezug auf andere Personen. Wiederum lässt sich das Genannte aber zumeist nicht mit der darauffolgenden Handlung verknüpfen und man hat das meiste (Informationsüberfluss!) am Ende der manchmal Seiten ausfüllenden Aufzählung schon wieder vergessen, weil es einfach weniger von Belang ist.

Ähnlich erging es mir mit Daniels Perspektive. Es war interessant in die Welt eines Obdachlosen einzutauchen, mit Daniel durch London zu streifen und kleine Einblicke in seine Vergangenheit zu bekommen. Man spürt die Hoffnung in ihm und die Sehnsucht nach Alice. Dennoch tritt auch hier die Geschichte, mittels ausführlicher und manchmal unnötiger Gedankensprünge, stark auf der Stelle. Zumal die Autorin letztlich nicht jede Erklärung auf dem Silbertablett serviert und am Ende einiges offenlässt. Somit könnten besonders die letzten Seiten eine Geschmacksfrage sein. Meiner Meinung passt das Ende sehr gut und dürfte vor allem begeisterten Lesern von Real-Life-Geschichten ansprechen. Für manch einen könnte allerdings das Gefühl aufkommen, dass etwas fehlt. Je nachdem, aus welchem Blickwickel man die Story betrachtet.


Fazit


„Alice, wie Daniel sie sah“ wartet mit einer innovativen Grundidee auf und zeichnet sich durch einen kreativen wie detaillierten Schreibstil aus, was diesen Debütroman irgendwie besonders macht. Doch leider dreht sich diese hoffnungsvolle Vater-Tochter-Geschichte stellenweise im Kreis und konnte mich aufgrund der überwiegend unnahbaren Charakterzeichnung weniger mitreißen.


Transparente Information: Hierbei handelt es sich um eine von mir bereits im März 2014 veröffentlichte und aktuell überarbeitete Rezension. Damals habe ich über das Amazon Vine Produktester Programm ein kostenloses Leseexemplar erhalten. Die ANZEIGE in der Produktinformation bezieht sich auf den Verlagslink, da dort das Buch zum Direktkauf angeboten wird. Ich selbst verdiene keinen Cent mit der Verlinkung. Überdies bilde ich mir stets meine eigene Meinung und tue diese auch unbeeinflusst kund.

© Buchrezension by www.filimure.de / Autorin: Doreen

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